Archiv für September 2013

Filmabend „Es geht sich immer nicht aus“

Alle Vienna-Fans, Fankulturliebhaber_innen und Masochist_innen fiebern schon dem morgigen Filmabend „Es geht sich immer nicht aus“ mit leidgeprüften Vienna-Supportern in der Hauptrolle um 19 Uhr im mo.ë entgegen. First Vienna FC 1894-Vorstandsmitglied Christian Tesar eröffnet die Vorführung mit einigen einleitenden und hoffentlich aufmunternden Worten. Nach dem Film ladet die Tatort Stadion Wien-Crew noch zum angeregten Diskurs bei kühlen Getränken. Schaut rein, egal ob blau-gelb, violett-weiß, grün-weiß, schwarz-weiß oder andersrum!

Über den Film:
Der First Vienna Football Club 1894 ist, wie der Name schon sagt, der erste Fußballklub Österreichs und besitzt eine lange und glorreiche Tradition. Trotzdem musste die treue Schar der Anhänger schon so manch schauderhafte Saison über sich ergehen lassen. Einst einer der prestigeträchtigsten Vereine Europas, war die Vienna nun schon seit 6 Jahren in den Niederungen der Dritten Liga angekommen. Auch die Hinweise auf die ruhmreiche Vergangenheit mit sechs österreichischen Meistertiteln, zwei nationalen Pokalsiegen und sogar dem Mitropacup-Sieg beschleunigten den Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse Österreichs nicht. Die „Erstgeborene“, wie sie liebevoll von ihren Fans genannt wird, leidet schon lange unter chronischer Erfolglosigkeit. Trotzdem bebt die Leidenschaft nach wie vor auf den Rängen des wunderschönen Heimstadions, der Hohen Warte. Und manchmal hat man das Gefühl, dass hier das Los des ewigen Verlierers, auf den mit Gras überwachsenen Hängen der Naturarena, mit stolzgeschwellter Brust stilisiert wird. Die Vienna lieben, heißt verlieren lernen.

Und doch – im Frühjahr 2006 scheint alles anders zu sein. Der Verein geht als Herbstmeister in die Frühjahrssaison und Hoffnung macht sich breit. Hoffnung auf den ersten Titelgewinn seit 51 Jahren und damit den Wiederaufstieg in den Profibetrieb. Aber es wäre nicht die Vienna, würde es nicht wieder ganz anders kommen.

Die Kulturarbeiter Fred Lachinger, Jonas Müller und Thomas Tesar begleiteten die Mannschaft und deren illustre Fanmeute durch sämtliche 15 Spiele, um dieses historische Ereignis zu dokumentieren. Von Döbling bis Zwettl und von Parndorf bis Waidhofen. Im Fanbus durchs Auf und Ab der Gefühle. Mitten unter den Fans. Von Fans für Fans. Vereinsoffizielle und Spieler wurden bewußt ausgeklammert. So entstand ein liebevolles Porträt über eine etwas andere Fankultur, abseits von Kommerzialität. Mitten rein in eine 90minütige Party, jeden Freitag aufs Neue. Für so manchen unverständlich, aber wie sagt ein Anhänger so schön am Ende des Films: „Des is wos Spirituelles. Des ko ma net erklärn. Des muaß ma afoch tuan. Da gibts ka Zittern. Gfrei mi scho aufs nächste Johr! Prost!“

ABSAGE der heutigen Autogrammstunde

Der FK Austria Wien hat die AG Tatort Stadion informiert, dass die Spieler der Kampfmannschaft heute nicht zur Autogrammstunde erscheinen werden! Wir bitten alle violetten Fans, die sich auf die Autogrammstunde gefreut haben, um Verständnis. Wir sind sehr bemüht einen Ersatztermin zu finden!

Tatort Stadion Wien Ausstellung ist eröffnet

Als die Wanderausstellung „Tatort Stadion. Rassismus und Diskriminierung im Fußball“ erstmals 2002 in Hamburg gezeigt wurde, folgte ein Sturm der Entrüstung. Wie der Initiator der Ausstellung Gerd Dembowski vom deutschen Fanbündnis BAFF heute im Rahmen der Eröffnungspressekonferenz in Wien erklärte, zogen damals der DFB, die Bundesliga und die Spielvereinigung ihre Unterstützung zurück. Stein des Anstoßes waren Schautafeln mit xenophoben Zitaten des damaligen DFB-Präsidenten Gerhard Meyer-Vorfelder.

Die Folge war ein enormes öffentliches Interesse an der Thematik und eine Solidarisierungswelle. So stieg etwa die Band „Die Ärzte“ als Sponsorin ein. Nachdem die Ausstellung bislang über 280 mal in Deutschland gezeigt wurde, macht sie erstmals in Wien Station. Erweitert um Österreich-spezifische Inhalte und begleitet von einem „fetten Rahmenprogramm“, so Alexander Fontó von der AG Tatort Stadion, ist die Schau bis 12. Oktober im Kulturzentrum mo.ë zu sehen.

Der Sprecher der Aktion „Stopp die Rechten“ Karl Öllinger, im Brotberuf Nationalratsabgeordneter der Grünen, meinte: „Es gibt in Österreicher drei soziale Räume in denen Rechtsextremismus wächst, das ist das Internet, die Musikszene und der Fußball.“ Rechtsextremisten würden versuchen sich bei großen Vereinen zu verorten. Ein leidtragender Verein ist dabei FK Austria Wien, der kurzfristig die morgige Gesprächsrunde mit Spielern absagte. Doch auch auf kleineren Fußballplätzen und bei Public Viewings würden Rechtsextreme versuchen sich ein Publikum zu verschaffen. Öllinger konstatiert eine Zunahme rechtsextremer Vorfälle, nur werde das öffentlich nicht thematisiert. Gelobt wird die Eigeninitiative von Fans der vier großen Wiener Vereine Rapid, Austria, Sportklub und Vienna die Ausstellung „Tatort Stadion Wien – Von Fans für Fans!“ nach Wien zu bringen „Es muss“, so Öllinger, „von unten beginnen, denn durch die Präsidenten und Chefs der Vereine wird nicht viel passieren.“

Fan-Eigeninitiative und vorbeugende Fanarbeit

Eine wichtige Säule dafür sei die Prävention durch professionelle Sozialarbeit. Neben dem Fußball müssten, so Öllinger, auch die öffentlichen Stellen Verantwortung tragen: „Es ist eine Idiotie zu versuchen mit Hundertschaften an Polizei Herr des Problems zu werden und dann zu sagen es gebe keine Mittel für Sozialarbeit.“

Alexander Fontó, Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Tatort Stadion, will durch die Schau und die 13 begleitenden Veranstaltungen nicht nur Negatives darstellen, „denn es gibt Fanszenen die pro-aktiv gegen Diskriminierung arbeiten.“ Im österreichischen Fußball hätten, so Fontó, die Interventionen gegen Rassismus zugenommen, „das bedeutet aber nicht das es deswegen weniger Rechtsextremismus gibt.“ Mit der Ausstellung „wollen wir in Österreich den Stein ins Rollen bringen“, so der Vienna Fan.

Auf konkrete Gegenstrategien angesprochen, berichtet derSportsoziologe Gerd Dembowski von seiner Antidiskriminierungsarbeit mit Borussia Dortmund. „Es ist ein Fehler, wenn wir das Problem immer nur auf 100 oder 150 Neonazis kaprizieren.“ Rassismus, Homophobie und Sexismus seien kein Problem der sozialen Ränder, sondern der Mitte der Gesellschaft. Daher sei der umfassende Dialog aller Beteiligten vom Präsidium bis zu den Fangruppen die Voraussetzung jeder Gegenstrategie.
Die Ausstellung Tatort Stadion Wien ist vom 26.09. – 12.10. im Kulturzentrum mo. ë. zu sehen und wird vom Sportministerium, der Stadt Wien und der Österreichischen Fußball-Bundesliga unterstützt.

Zu den Fotos hier lang!

(Wien, 26. September 2013; FairPlay-VIDC)

»Wegschauen macht nichts besser«

Diskriminierung im österreichischen Fußball muss thematisiert werden. Das findet eine Arbeitsgruppe verschiedener Wiener Fanszenen und holt Ende September die in Deutschland entwickelte Ausstellung »Tatort Stadion« in die Stadt. Mitorganisator Alexander Fontó hofft darauf, junge Fußballfans für das Thema zu sensibilisieren.

Die Wanderausstellung »Tatort Stadion. Fußball und Diskriminierung« dokumentiert rassistische, homophobe, sexistische und antisemitische Vorfälle im Fußball – und die Gegenaktionen von Fans, Vereinen und Verbänden. Die Ausstellung wurde 2001 vom Fannetzwerk »Bündnis aktiver Fußballfans« in Deutschland entwickelt. Seit April 2010 gibt es eine komplett überarbeitete Neufassung, die schon in über 50 Städten zu sehen war, darunter auch 2011 in Innsbruck. Ende September macht »Tatort Stadion« nun erstmals in Wien Station.

ballesterer: Warum hat es so lange gedauert, die Ausstellung »Tatort Stadion« nach Wien zu bringen?
Alexander Fontó: Bisher haben wahrscheinlich die Leute gefehlt, die das Interesse, die Motivation und den Mut gehabt haben, das einfach umsetzen. Außerdem hat es an den Strukturen gehapert. In Innsbruck hat es mit der »Faninitiative Innsbruck« schon eine Basis gegeben. Die neue Organisation »pro supporters«, die Fanarbeit in Österreich koordiniert, hat mit ihren Kontakten und Strukturen unsere Arbeit in Wien erleichtert.

Wie hat sich die Gruppe für die Ausstellung gefunden?
Wir sind ein loser Zusammenschluss aus den Fanszenen von Rapid, Austria, Vienna und Sportklub. Uns verbindet, dass wir die Ausstellung gut finden – und enttäuscht darüber waren, dass sie in einer Stadt mit fast zwei Millionen Einwohnern und vier größeren Fußballvereinen noch nie zu sehen war. Ganz generell missfällt uns der typisch österreichische Umgang mit Diskriminierung im Fußball. Wir wollen, dass darüber gesprochen wird.

Unter den Organisatoren fehlen die größeren Fanklubs von Rapid und der Austria. War es hier schwierig, Unterstützung zu finden?
Vorweg muss ich sagen, dass die Motivation bei solchen ehrenamtlichen Projekten generell nicht ins Unermessliche geht und man oft nachhaken muss. Die Ausstellung soll aber auch nicht von einem Verein oder einer Fanszene abhängig sein. Leider wollten sich weder bei der Austria noch bei Rapid die größeren Fanklubs mit der Gegenseite an einem Tisch setzen.

Die Ausstellung ist in Deutschland entstanden, wird sie für den Standort Wien ergänzt?
Ja, es wird drei bis vier neue Schautafeln geben, die dann mit der Wanderausstellung weiterreisen werden. Eine davon behandelt zum Beispiel rechtsextreme Vorfälle in österreichischen Stadien.

Wer ist Ihre Zielgruppe?
In erster Linie jugendliche Fans, die vielleicht erst seit Kurzem ins Stadion gehen und die wir für Themen wie Rassismus, Faschismus, Sexismus und Homophobie sensibilisieren wollen. Aber die Ausstellung ­richtet sich auch an ein fußballfernes ­Publikum.

Der überwiegende Teil des Fanlebens kommt ohne Gewalt, Rassismus und Diskriminierungen aus. Besteht nicht die Gefahr, dass die Ausstellung den Blick auf die positiven Aspekte der Fanszenen überdeckt?
Diese Gefahr sehe ich nicht. Es ist wichtig, negative Entwicklungen im Fußball aufzuzeigen, weil wegschauen einfach nichts besser macht. Trotzdem werden wir sicher nicht auf gewisse Fanklubs, Tribünen oder Vereine hinhauen. Es werden auch nicht nur negative Beispiele gebracht, sondern ebenfalls Aktionen gegen Diskriminierung präsentiert. Fanszenen können ihre Initiativen bei der Ausstellung präsentieren.

Veranstaltungshinweis
Ausstellung »Tatort Stadion« von 26. September bis 12. Oktober (Montag bis Freitag 17–22 Uhr; Samstag, Sonntag 14–22 Uhr) im Veranstaltungszentrum mo.ë (Thelemanngasse 4/1, 1170 Wien)

(Copyright: ballesterer fm)

Anmeldungen ab sofort!

Anmeldungen für die grün-weiße Veranstaltung „Die NS-Zeit und ihre Aufarbeitung in Geschichte und Gegenwart des SK Rapid Wien“ mit Domenico Jacono (Kurator Rapideum) und Georg Spitaler (Fan-Wissenschaftler) ab sofort unter museum@skrapid.com oder bei Markus Lenzenhofer (0699/1 727 43 79).

Gerhard-Hanappi-Stadion (Südtribüne)
Rapideum (bzw. Aula bei Teilnehmerzahl größer 15)
Keißlergasse 6, 1140 Wien, U4, 49, 52, S-Bahn
30.09.2013, 19 Uhr

Verbindliche Anmeldungen sind auch für das 1. Netzwerktreffen antidiskriminierender Fußballfans in Österreich mit Workshops zum Umgang mit Homophobie, Sexismus, Rassismus & Faschismus im Veranstaltungszentrum mo.ë am 12.10.2013 ab 11 Uhr erforderlich. Anmeldungen ab sofort bis 1. Oktober an agtatortstadion.wien@gmx.at

Ansonsten sind keine Anmeldungen erforderliche, einfach reinschauen!